Holobricks: Hologramme im Kinoformat

Ob jung oder schon etwas älter: Die Deutschen sind wahre Film-Maniacs. Durchschnittlich 3 Stunden und 42 Minuten konsumieren sie Videos – pro Tag. Vor allem hochwertige Produktionen liegen dabei in der Gunst der Nutzer. Bisher beschränkt sich das Angebot allerdings überwiegend auf klassische 2-D-Filme. Das könnte sich jedoch schon bald ändern! Holobricks haben das Potenzial, den Filmmarkt zu revolutionieren: Sie erzeugen Hologramme im XXL-Format und machen damit echtes 360-Grad-Kino möglich.

Hologramme: 3-D-Genuss ohne VR-Brille

Hologramme sind dreidimensionale Projektionen, die völlig frei im Raum schweben. Man kann sie von allen Seiten betrachten, was sie – anders als 2-D-Abbildungen – besonders realistisch wirken lässt. Und zwar ohne die vom 3-D-Kino bekannten Virtual-Reality(VR)-Brillen, die viele Zuschauer nicht nur als störend empfinden, sondern die häufig auch Kopfschmerzen oder Übelkeit auslösen.

Hologramme bei Porsche, Billa und im Circus Roncalli

Vor allem auf Messen oder bei innovativen Produktpräsentationen kann man schon heute Hologramme erleben: So sorgte beispielsweise der Autohersteller Porsche beim Marktstart seines Taycan-Modells im Jahr 2020 mit einer spektakulären Pferde-Hologramm-Show für einen echten Wow-Effekt beim Publikum. Doch damit nicht genug: Anfang 2021 warb der Lebensmitteldiscounter Billa in Wien mit holografischen Schriftzügen für sein Obst- und Gemüsesortiment. Und auch der Circus Roncalli hat die Hologramm-Technologie für sich entdeckt: Statt lebender Tiere laufen hier mittlerweile 3-D-Projektionen von Elefanten durch die Manege.

Der weite Weg zum Holodeck

Bisher handelt es sich bei den meisten Hologrammen lediglich um einzelne Abbildungen oder kurze Sequenzen. Der Weg zum Holodeck, wie wir es aus Star Treck kennen, ist hingegen noch weit. Vor allem die gigantischen Datenmengen, die dafür verarbeitet werden müssten, gelten als Hindernis für die Realisierung großformatiger Holografie-Projekte. Während nämlich für ein zweidimensionales Bild in HD-Qualität „lediglich“ drei Gigabit pro Sekunde erforderlich sind, wären es für ein 3-D-Objekt in ähnlicher Auflösung unglaubliche drei Terabit. Damit bewegen sich Hologramme in Datenbereichen, die mit herkömmlicher IT kaum realisierbar sind.

Holobricks machen gigantische Datenmengen beherrschbar

Einem Forscherteam der University of Cambridge ist es nach jahrelanger Arbeit nun gelungen, eine Lösung für diese Herausforderung zu finden: Statt das 3-D-Objekt als Ganzes abzubilden, setzen die Entwickler auf einen modularen Aufbau, bei dem mehrere Hologramm-Generatoren – so genannte Holobricks – jeweils nur einzelne Teile des Objekts kreieren und diese anschließend zu einem Gesamtbild zusammensetzen.

Vom Hologramm zum Holo-Video

Neben hochauflösender Qualität birgt die Holobrick-Technologie auch das Potenzial, großformatige Hologramm-Darstellungen zu realisieren. Anders als bei 2-D-Bildschirmen reicht es dabei nämlich nicht aus, mehrere Leinwände zu kombinieren. Aufgrund der 360-Grad-Sicht gilt es, alle möglichen Blickwinkel und -richtungen zu berücksichtigen und nahtlos abzubilden. Genau hier setzen Holobricks an: Spezielle optische Linsen sorgen dafür, dass die einzelnen Teilausschnitte des künftigen 3-D-Objekts störungsfrei zusammengefügt werden und ein – für das menschliche Auge – täuschend echtes Abbild erzeugen. Damit sind nicht nur Hologrammbilder generierbar, sondern auch Holo-Videos.

Holo-Cinema – das Kino der Zukunft

Erfunden wurde die Holobrick-Technologie zusammen mit der Forschungsabteilung von Walt Disney. Die Filmbranche treibt die Entwicklungen rund um die Darstellung von 360-Grad-Objekten folglich aktiv mit voran. Gut möglich also, dass das bisherige 3-D-Kino schon bald zum Holo-Cinema wird, in dem nicht nur der Star-Wars-Roboter R2D2 in der Lage ist, Prinzessin Leia als dreidimensionales Bewegtbild in den Raum zu beamen. Den steigenden Ansprüchen der wachsenden Zahl an Film-Maniacs würde eine solche Entwicklung sicher gut gefallen. Um das Warten bis zum ersten Holo-Video zu verkürzen, können sich Filmfans die 3-D-Projektionen aus Star Wars und Star Trek noch einmal ins heimische Wohnzimmer streamen – mit ultraschnellem Internet auf Glasfaserbasis gelingt das sogar in gestochen scharfer HD-Qualität.