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Clubhouse – eine Plauder-App ohne Anspruch auf Exklusivität

Die neue Social-Network-App Clubhouse wird in den Medien als exklusives Netzwerk dargestellt. Tatsächlich wollen die Clubhouse-Entwickler Freunden und Menschen auf der ganzen Welt die Gelegenheit geben, sich zu treffen, um Geschichten zu erzählen, Fragen zu stellen, zu debattieren, zu lernen und spontane Gespräche zu führen. So zumindest erklären sie ihre Ziele.
Wie kommt man in den „Club“, in dem man sich nicht sieht, sondern nur hört? Was genau steckt hinter der App mit dem exklusiven Namen Clubhouse?
Im folgenden Blogartikel klären wir Sie auf.

Bodo Ramelow als PR-Manager für Clubhouse

Die neue App Clubhouse gehöre in Deutschland zu den beliebtesten iPhone-Apps. Das zumindest wird in den Medien behauptet. Tatsächlich kennen und nutzen in Deutschland nach einer Umfrage der Medienagentur OMD gerade 0,78 Prozent der Menschen die Clubhouse-App. Über 74 Prozent haben noch nie von dieser App gehört.
Nicht, weil die App so populär ist, sondern weil Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow während einer Gesprächsrunde in Clubhouse die Kanzlerin als „Merkelchen“ betitelte und zudem gestand, dass er in Besprechungen gern „Candy Crush“ spielt, erschienen in jüngster Zeit zahlreiche Beiträge zur App. Eine bessere PR hätte sich Clubhouse nicht wünschen können.

Freier Zutritt bislang nur für iOS Nutzer

Clubhouse ist eine Social-Network-App, die 2020 von Paul Davison und Rohan Seth mit ihrem Start-up Alpha Exploration Co. in den USA entwickelt wurde.
Der Unterschied zu anderen Social-Network-Plattformen besteht darin, dass

  • Clubhouse derzeit nur für iOS verfügbar ist, die Entwicklung für Android startet in Kürze;
  • die App nur genutzt werden kann, wenn man dazu eingeladen wird;
  • die App ausschließlich auf Sprache basiert – keine Fotos, keine Videos, keine Texte;
  • man sich ausschließlich in Gruppen, in sogenannten Räumen versammelt, die sich je nach Thema bilden.

Wer die App auf sein iPhone lädt, wird von den Gründern Paul und Rohan willkommen geheißen und darüber informiert, dass Clubhouse momentan nur als Betaversion verfügbar ist. Bevor die Entwickler zu einer allgemeinen Version wechseln, wollen sie sicherstellen, dass Clubhouse mehr Nutzer und mehr Talkrunden auch verarbeiten kann. Schon jetzt ist der Server zeitweise überlastet. Nicht die Exklusivität ist der Grund für die derzeitige Einladungspraxis und die Beschränkung auf iOS, sondern die technischen Mängel. Mit der gegenwärtigen Begrenzung des Zugangs nur auf Einladung und nur für iPhone-Besitzer wollen die Entwickler die Zahl der Nutzer begrenzen und sich lediglich Zeit erkaufen, die App zu verbessern.

Räume als Live-Talkshows ohne Bild

Nutzer werden für einen Eintritt in Clubhouse vorgemerkt, wenn sie ihre Telefon-Nummer und den vollen Namen angeben. Wird man von einem Clubhouse-Mitglied eingeladen, läuft die Anmeldung unkompliziert.
Jeder kann jedem Meeting beitreten. Es gibt eine Vorschau, wann in welchem Raum wer zu welchem Thema diskutiert. Man kann sich an der Diskussion beteiligen, wenn der Moderator das Mikrofon freigibt, und auch eigene Räume gründen.

Inzwischen haben sich bereits feste Termine etabliert. Die Audio-Gesprächsrunden werden live übertragen. Der Unterschied zum Podcast: Die Plauder-Runden dieser Welt werden unter einem Dach zusammengeführt, sodass man von der Diskussion über veganes Essen in deutscher Sprache ganz schnell zu den Vorteilen des Biertrinkens in englischer Sprache oder zur Klimawandel-Diskussion auf Chinesisch wechseln kann. Gefragt sind vor allem die Runden, in denen Prominente zugange sind. Der Reiz der Veranstaltung besteht zweifellos darin, dass man die Möglichkeit hat, Stars, Influencern, bekannten Politikern und Unternehmern live zuzuhören und sich vielleicht an der Talkshow ohne Bild zu beteiligen – so man zugeschaltet wird, wenn man die virtuelle Hand hebt. Wem das Geplauder zu viel wird, der kann sich mit dem Button „Leave quietly“ ruhig aus dem Raum schleichen.

Verbraucherzentralen kritisieren mangelnden Datenschutz

Größter Kritikpunkt bei dieser App ist der Datenschutz. Die Verbraucherzentralen Nordrhein-Westfalen und Bremen beispielsweise kritisieren auf ihrer Website, dass gespeicherte Kontaktdaten an Server in den USA übertragen und Gespräche auf US-Servern aufgezeichnet werden. Außerdem würden die Allgemeinen Geschäftsbedingungen sowie die Datenschutzerklärung nur auf Englisch bereitgestellt. Ein Impressum fehlt.

Der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) hat die Betreiber der Clubhouse-App darum im Januar 2021 abgemahnt.
Wer sich an diesen Mängeln nicht stört und wer Talkrunden mag (zu letzteren gehören zweifellos viele Prominente, Politiker und Journalisten), dem eröffnet sich mit Clubhouse tatsächlich eine völlig neue Welt: Reden ohne Ende in seiner höchsten Form.